„Auftakt – Beruf“ – Schlussbericht 2016

Ausgangssituation

Das Projekt „Auftakt-Beruf“ wurde am 30. November 2015 gestartet, da das Bayerische Berufsschulmodell für berufsschulpflichtige Flüchtlinge war aufgrund des starken Flüchtlingszustroms sehr schnell an seine Grenzen gestoßen war.
Mimikri bot zunächst für die „unversorgten“ jungen Menschen zwischen 16 und 21 Jahren einen Deutsch-Förder-Unterricht bzw. Alphabetisierungskurs mit 4 Schulstunden pro Woche an. Hierzu wurde die Stelle einer pädagogischen Fachkraft eingerichtet. Für den Unterricht wurden eine Lehrkraft und eine Assistenz-kraft eingestellt. Zusätzlich konnten die Schüler pro Klasse jeweils zwei wöchentliche Unterrichtsstunden am Abend mit DiDaz-Studentinnen und Studenten der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität besuchen (DiDaZ = Didaktik des deutschen als Zweitsprache). Dieser Unterricht wurde jeweils von drei Studierenden geleitet, um so eine individuelle Förderung zu gewährleisten.
Neben der Vermittlung der deutschen Sprache sollten die Flüchtlinge die deutsche Arbeitswelt und verschiedene Berufsfelder kennen lernen.

Neue Herausforderung

Für Flüchtlinge, die schon über 21 Jahre alt und demnach nicht mehr berufsschulpflichtig waren, gab es allerdings keine adäquaten Lernangebote. Ebenso wurden die kostenlosen Deutschkurse für Flüchtlinge aus den Nationen mit guter Bleibeperspektive aufgehoben. Deshalb haben wir ab dem März 2016 unser Angebot erweitert. Das Projekt „Auftakt – Beruf“ war jetzt ein Projekt für Flüchtlinge (w/m) im Alter von 16 bis 27 Jahren, die weder an einer Berufsschule waren noch in einem Arbeitsverhältnis standen. Die Schüler hatten unabhängig von ihrem Herkunftsland die Möglichkeit, einen Deutschkurs mit insgesamt vier Schulstunden pro Woche zu besuchen. Die Mehrheit der Schüler war nach der Umstrukturierung zwischen 21 und 26 Jahre alt, lediglich 5 unserer Schüler zwischen 16 und 19. Die Schüler waren in drei Klassen aufgeteilt: ein Alphabetisierungskurs (4 Frauen und 3 Männer), ein Kurs für Anfänger (1 Frau und 16 Männer) und einer für Fortgeschrittene (7 Männer).
(Stand 30.06.2016)

Die Schülerschaft

81 Schüler haben im Laufe der acht Monate an unserem Projekt teilgenommen.
Sie kamen aus:
Armenien (1), Afghanistan (16) – davon 2 Frauen -, Äthiopien (40) – davon 5 Frauen -, Guinea (3), Indien (1), dem Irak (8), dem Jemen (1), Pakistan (1), Somalia (1), Syrien (7) und der Ukraine (2).

Folgende Schüler haben im Laufe der letzten Monate einen Berufsschulplatz erhalten:
11 Schüler aus Afghanistan, 1 Schüler aus Armenien, 10 Schüler aus Äthiopien, 2 aus Guinea, 3 Schüler aus dem Irak, je 1 Schüler aus dem Jemen und aus Somalia, 3 Schüler aus Syrien und 1 Schüler aus der Ukraine.
1 Schüler hat uns aufgrund einer Familienzusammenführung verlassen, 2 andere wurden in eine weiter entfernt liegende Wohngruppe verlegt, 12 Schüler sind ohne Angaben von Gründen nicht mehr gekommen und 1 Schülerin ist in die Frauengruppe unseres Projekts gewechselt. 1 Schüler ist auf eine andere Sprachschule in Nürnberg gewechselt.

Von den insgesamt 50 Schülern, die einen Schulplatz bekommen haben oder uns aus anderen Gründen bis Ende Juni verlassen hatten, kamen 33 aus Nürnberg. Davon waren 13 Schüler in Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht. Die anderen 20 wohnten in Gemeinschaftsunterkünften (18) oder bei Verwandten (2).

4 Schüler kamen aus Jugendhilfeeinrichtungen in Schwarzenbruck und 2 aus Rückersdorf. Ferner waren 2 Schüler in einer Jugendhilfeeinrichtung in Schwanstetten untergebracht, 1 anderer in einer Jugendhilfeeinrichtung in Erlangen. Weitere 6 wohnten in Gemeinschaftsunterkünften (GU) in Baiersdorf, 1 in einer GU in Winkelhaid und 1 in einer GU in Pommelsbrunn.

Von den 31 Schülern im Alter von 16 Jahren bis 26 Jahren, die bis Ende Juni 2016 an unserem Unterricht teilgenommen haben, waren 27 in Gemeinschaftsunterkünften in Nürnberg untergebracht. Davon kamen 24 aus Äthiopien. 1 Schüler kam aus der Ukraine, 1 Schüler aus Syrien und 1 Schüler kam aus dem Irak. 1 weiterer Schüler aus dem Irak war in einer GU in Pommelsbrunn untergebracht. 1 Schüler aus dem Irak wohnte in einer Jugendhilfeeinrichtung in Nürnberg. 2 Schüler aus Afghanistan im Alter von 16 Jahren waren in einer Jugendhilfeeinrichtung in Schwanstetten untergebracht.

Während unseres Projektes gewährten wir all denjenigen, die unseren Unterricht besuchten und außerhalb Nürnbergs wohnten, einen Fahrtkostenzuschuss aus dem Bildungstopf von Mimikri e.V.

Wegen der Semesterferien mussten die Förderstunden an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät ab Mitte März bis Ende April leider ausgesetzt werden und konnten erst im Mai wieder starten. Jeder der drei Kurse hatte dann noch zusätzlich einen Abendunterricht von zwei Schulstunden an der Universität, der von jeweils zwei Studierenden betreut wurde.

Maßnahmen zur Berufsorientierung und Enkulturation

Im Verlauf des Projektes wurde ein gutes Netzwerk zu relevanten Institutionen und Organisationen wie AUU e.V., Initiative BLEIB, Handwerkskammer Nürnberg und Berufsschule Nürnberg aufgebaut. Es wurden regelmäßig Exkursionen zur Berufsorientierung und Workshops durchgeführt, um den Schülerinnen und Schülern die deutsche Arbeitswelt bzw. unsere Gesellschaftsform und Kultur etwas näher zu bringen.

Das Ziel, die Schüler und Schülerinnen in betriebliche Hospitationsstellen zu vermitteln, wurde aufgrund der noch nicht ausreichenden Sprachkenntnisse leider nicht erreicht.

Folgende Exkursionen wurden durchgeführt:

  • Besuch der Berufsfindungsmesse in Nürnberg am 09.12.2015
  • Hospitation an der Berufsschule B11 in Nürnberg vom 02.02.2016 bis 04.02.2016
  • Besuch der Nürnberger Stadtbibliothek am 10.02.2016 und am 25.05.2016
  • Berufsorientierungstag am 17.03.2016 in Kooperation mit dem AAU e.V.
  • Lebenswelten in Deutschland bei DoKuPäd am 10.05.2016
  • Verkehrsunterricht mit dem ADAC am 30.05.2016
  • Betriebsführung bei Schwan Cosmetics am 10.06.2016
  • Besuch des Neuen Museums Nürnberg am 23. 06.2016
  • Besichtigung einer Gärtnerei in Nürnberg am 28.06.2016
  • Besuch der Feuerwehr in Nürnberg am 05.07.2016

Maßnahmen zur Eingliederung nach Projektende

Ziel der Mitarbeitenden war es, allen Schülerinnen und Schülern eine Perspektive für die Zeit nach Projektende zu verschaffen. Dazu wurde in enger Zusammenarbeit mit BLEIB (angesiedelt bei AAU e.V. im Klee-Center) wochenlang nach geeigneten Angeboten gesucht.

  • 2 Schüler nahmen an einer Zertifikatsprüfung für das Deutsch-Level A 1 teil.
  • 3 Teilnehmer hatten die Möglichkeit, eine Woche an der Berufsschule 11 (Baubranche) in einer regulärenBerufsschulklasse zu hospitieren. Leider konnten sie zum damaligen Zeitpunkt aufgrund noch ungenügender Sprachkenntnisse nicht an der Berufsschule aufgenommen werden.
  • 5 Schüler werden im kommenden Schuljahr die Berufsschule zur Sprachintegration in Nürnberg bzw. Roth (2) besuchen.
  • 9 Schüler besuchen seit dem 4. Juli 2016 die Maßnahme „Perf Plus“ (Perspektiven für Flüchtlinge) der Agentur für Arbeit Nürnberg, eine Maßnahme zur Integration von Geflüchteten in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt.
  • der Schüler aus der Ukraine hat einen Ausbildungsvertrag bei einer Firma in Ingolstadt bekommen.
  • 3 Schüler haben uns ohne Angaben von Gründen im Juli verlassen.
  • der Schüler aus Syrien geht in eine andere Sprachschule.
  • 1 Schülerin ist aufgrund Schwangerschaft ausgeschieden.
  • 1 ehemaliger Schüler, der uns aufgrund eines Sprachschulwechsels verlassen hatte, konnte an die Abendrealschule vermittelt werden.

Die Schüler, die keinen Berufsschulplatz bzw. Schulplatz bekommen oder keinen weiteren Deutschkurs gefunden haben, wurden beim Bildungszentrum der Stadt Nürnberg für Kurse ab September bzw. für Maßnahmen bei der Agentur für Arbeit angemeldet.

Danksagung

Wir bedanken uns ganz herzlich – auch im Namen unserer Schülerinnen und Schüler – beim Rotary Club Nürnberg, der mit einer stattlichen finanziellen Spende die Grundlage legte. Ebenso gilt unser Dank dem Verein HELP e.V., der mit einem Zuschuss die Ausgaben für Verwaltung und Lehrmittel absicherte. Die Erziehungswissenschaftliche Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg stellte für den Förderunterricht mit den DiDaZ-Studierenden kostenlos Räume zur Verfügung. Evelyn Beck begleitete als Studienleiterin und koordinierte den Einsatz. Schließlich danken wir auch AAU e.V. und dem Kleecenter für die kostenfreie Überlassung von Unterrichts-räumen.
Ein besonderer Dank geht an Barbara Fraaß, Schulsozialarbeiterin, und den Leiter der Berufsschule 11, Herrn Adamscewski, die das Schnuppern in der Berufsschule ermöglichten. Ebenso herzlich danken wir Mona El-Faouri und ihrem Team von BLEIB, die im Dschungel der Förderangebote mit Rat und Tat zur Seite standen. Nicht vergessen wollen wir die Mitarbeitenden aller Organisationen und Betriebe, die den Flüchtlingen ein Stück der deutschen Berufswelt und Kultur nahe brachten.