„Auftakt – Beruf – Frauen“ – Schlussbericht 2016

Ausgangssituation
(Projektzeitraum 1.3. bis 31.7.2016)

Im März startete das Projekt „Auftakt – Beruf – Frauen.
Junge geflüchtete Frauen im Alter von 17 bis 27 Jahren hatten die Chance, in geschütztem Rahmen Basiskenntnisse der deutschen Sprache zu lernen sowie mit Normen und Werten vertraut zu werden. Ein Schwerpunkt war das Kennenlernen der Arbeitswelt und der Gepflogenheiten der deutschen Gesellschaft. Dieser Aspekt wurde bei speziellen Workshops und Betriebsbesichtigungen in den Fokus genommen.
Die Projektleitung lag bei einer Lehrkraft. Sie wurde mit 10 – 12 Wochenstunden beschäftigt. Unterstützung im Unterricht erhielt sie von einer Assistenzkraft mit 4 Schulstunden pro Woche. Bei Betriebsbesichtigungen und Workshops begleitete zusätzlich eine ehrenamtliche Mitarbeiterin.
Den Frauen wurden zwei bis drei Treffen in der Woche angeboten. Es gab einen festen Unterrichtstag von 10.00 bis 14.15 Uhr. An weiteren Tagen fanden Lernangebote, Workshops und Besichtigungen außerhalb im Wechsel statt.

Teilnehmerinnen

Das Internationale Frauencafe in der Zickstraße in Gostenhof war Kooperationspartner zur ersten Kontaktaufnahme.
Bei der Auftaktveranstaltung waren junge Frauen aus Afghanistan, Äthiopien, Aserbaidschan, Somalia, Syrien dem Irak und aus dem Iran vertreten.
Zu Beginn waren 27 Frauen angemeldet, die Anzahl steigerte sich bis auf 37 Frauen. Im Schnitt waren 10 Frauen anwesend. Freie Plätze wurden mit Interessierten aufgefüllt.

Unterricht

Die jeweils vierstündigen Unterrichtseinheiten hatten das Ziel, Grundlagen der deutschen Sprache und des Sprachsystems zu Erlernen (Niveaustufe A1). Gelerntes sollte angewendet und der Wortschatz der Lernerinnen erweitert werden. Zusätzlich besuchten drei Schlerinnen den wöchentlichen Förderunterricht mit DiDaz-Studentinnen und Studenten der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität (DiDaZ = Didaktik des deutschen als Zweitsprache).
Im Juni schlossen zwei Teilnehmerinnen das A1 Zertifikat (telc Test) beim Bildungszentrum erfolgreich ab.
Der individuelle Sprachstand veränderte auch die Monatsplanung und nahm im Projektverlauf entschieden Eingriff auf die Unterrichtsplanung. So veränderte sich der anfängliche „Frauentreff“ in einen wöchentlich einmal stattfindenden „Lerntreff“, damit die Frauen mehr Förderung erhielten.

Maßnahmen zur Berufsorientierung und Enkulturation

Ab April starteten einzelne Aktionstage zur Berufsorientierung. Berufsfelder und Wünsche der jungen Frauen wurden vorher in Gesprächen erörtert. Des Weiteren wurden Werte und Normen unserer westlichen Gesellschaft in Teilaspekten nach speziellen Bedürfnissen der Teilnehmer vermittelt.

Übersicht

  • 07.04.16 „Nacht der Ausbildung“ in Stein, Kennenlernen verschiedener Berufsfelder (Fa. Faber-Castell, Reisebüro, Friseurgeschäft und Tierarzt Praxis)
  • 13.04.16: Besuch der Stadtbibliothek Nürnberg, Kennenlernen des kostenlosen Lern- und Informationsangebotes, insbesondere der Abteilung für Deutschlerner
  • 27.04.16: Besichtung der Kindertagesstätte „Mio“ in Gostenhof – Berufsbild Erzieher und Kinderpfleger
  • 10.05.16: Workshop mit „Dokupäd“ (Jugendpolitische Bildung/Pädagogik um das Dokumentationszentrum) zum Thema Leben in Deutschland und Menschenrechte
  • 12.05.16: Führung in der Lorenzkirche Nürnberg
  • 30.05.16: Workshop zur Verkehrserziehung – ADAC
  • 02.06.16: Besichtigung „Restaurant Lavash“- Berufsbild Koch/Köchin und Restaurantfachfrau
  • 09.06.16: Workshop mit pro Familia e.V. zum Thema Empfängnisverhütung und Schwangerschaft
  • 20.06.16: Besichtigung des St. Albertus-Magnus Altenheimes in Stein
  • 21.06.16: Test bei Bildungszentrum zum Erwerb des A1 Zertifikates (drei Teilnehmerinnen)
  • 07.07.16: Führung und Workshop im Neuen Museum Nürnberg
  • 18.07.16: Workshop zur Berufsorientierung in Kooperation mit AAU (Ausbildungsring Ausländischer Unternehmer e.V.) und KAUSA

Maßnahmen zur Eingliederung nach Projektende

Im Juni/Juli war die Vermittlung in Folgemaßnahmen Thema. Da alle verbliebenen Teilnehmerinnen mit ihrem Alter über der Berufsschulpflicht lagen, mussten geeignete Anschlussangebote gefunden werden.
Eine Frau bekam einen Platz in der Berufsschule, mit Unterstützung der Agentur für Arbeit wechselte eine Frau schon im Juni in ein neues Programm für junge Flüchtlinge (PerF – Perspektiven für Flüchtlinge).
Alle Analphabetinnen wurden Ende Juli zu einem kostenlosen Kurs vom Bildungszentrum Nürnberg (Alpha-Werkstatt) ab September 2016 angemeldet, zwei weitere Frauen nahmen an einen kompakten Erstorientier-ungskurs ab September teil. Eine Teilnehmerin erfüllt aufgrund ihrer universitären Bildung im Herkunftsland Syrien die Voraussetzungen für den Universitätsbesuch. Zuvor absolviert sie einen Aufbaukurs für Deutsch (Agentur für Arbeit), um dem Ziel näher zu kommen.

Dank

Wir bedanken uns ganz herzlich – auch im Namen unserer Schülerinnen – beim Lions Club Nürnberg Sigena und vielen Privatpersonen, die mit ihren Spenden die Grundlage legten. Ebenso gilt unser Dank der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg, die für den Förderunterricht mit den DiDaZ-Studierenden kostenlos Räume zur Verfügung stellte. Evelyn Beck begleitete als Studienleiterin und koordinierte den Einsatz. Schließlich danken wir auch AAU e.V. und dem Kleecenter für die kostenfreie Überlassung der Unterrichtsräume.

Ebenso herzlich danken wir Mona El-Faouri und ihrem Team von BLEIB, die im Dschungel der Förderange-bote mit Rat und Tat zur Seite standen. Nicht vergessen wollen wir die Mitarbeitenden aller Organisationen und Betriebe, die den Flüchtlingen ein Stück deutsche Berufswelt und Kultur nahebrachten.

Wir können mit Stolz sagen, dass alle Teilnehmerinnen ihr Sprachvermögen enorm verbessert haben und so auch ein gewisses Selbstvertrauen aufbauen konnten. Dies ist die Voraussetzung für das weitere Gelingen und Meistern ihres Lebens, das sie im gewählten Exilland aufbauen und führen möchten.