Projektbericht Schuljahr 2014/2015

Sprungbrett – Bildung für junge Flüchtlinge im Berufsschulalter
(Schlussbericht – 31.7.2015)

Sprungbrett Abschlussbericht 2014/1015„Sprungbrett“ steht für Neubeginn, Aufbruch – und für Bildungschancen. Denn noch immer ist es für junge Flüchtlinge leider keine Selbstverständlichkeit, einen Schulplatz zu bekommen. Immer noch zu viele müssen warten, bis ein Platz frei wird, und verlieren so wertvolle Zeit – und oft auch Motivation. Im Schuljahr 2014/2015 bot der Verein Mimikri e.V. mit dem Projekt „Sprungbrett“ eine Lösung für diese unbefriedigende Situation.

Finanzielle Rahmenbedingungen
Die Initialzündung war ausgelöst worden durch die Zusage von sechs Nürnberger Rotary-Clubs, für jeweils einen Monat ab Februar 2015 bis zum Schuljahresende die kalkulierten Kosten in Höhe von € 5.000,00 zu spenden. Hinzu kamen einige Großspenden von z.B. „Freude für alle“, der Sparkasse Nürnberg, dem „Diepersdorfer Theaterbrettl“, der Firma Wildner + Designer. Den Jugendhilfeeinrichtungen wurden Kursgebühren in Rechnung gestellt, so dass ca. ein Drittel der Ausgaben abgedeckt werden konnten.
Dadurch war es möglich, nach den Pfingstferien, ab 8. Juni, sogar noch eine zweite Klasse anzubieten. Zeitgleich wurden 34 SchülerInnen unterrichtet. Das Team bestand nun aus zwei Lehrkräften, fünf Assistenzkräften, zwei ehrenamtlichen „Kulturvermittlerinnen“ und der Projektleitung.

Räumliche Situation Sprungbrett 2
Für die Monate Januar und Februar stand ein Raum in einem Kunstatelier zur Verfügung, der uns aber mit der Zeit zu klein wurde. Nach intensiver Suche über das Mimikri-Netzwerk konnten wir ab März 2015 zwei schöne passende Räume in der Nürnberger Christuskirche beziehen. Hier hatten die Jugendlichen auch Kontakt zu Besuchern der gemeindeinternen Angebote wie Mutter-Kind-Gruppe, Seniorentreff usw. Unter Anleitung des Praktikanten Lukas beteiligten sich die Sprungbrett-Schüler auch einige Male an gemeinsamen Mahlzeiten für alle Kirchenbesucher.

Interkulturelles Unterrichtskonzept Sprungbrett 3
Die jungen Flüchtlinge zwischen 16 und 21 Jahren erhielten von Montag bis Freitag regelmäßig Unterricht im Umfang von 24 Stunden. Damit sie die günstigeren Mobicards benutzen konnten, wurde der tägliche Unterrichtsbeginn auf 10 Uhr festgelegt. So konnten Verantwortungsgefühl und Absprachefähigkeit trainiert werden, denn jeweils vier Minderjährige können eine Karte benutzen. Der „Karteninhaber“ durfte also die Karte nicht verlieren und musste stets aufpassen, dass alle Mitfahrer zur Stelle waren.
Das Bildungsniveau war sehr unterschiedlich – von Analphabeten bis hin zum Abitur in der Heimat. Das Unterrichtsteam bestand aus einer Lehrkraft pro Klasse und jeweils zwei Assistenzkräften sowie einer „Springerin“. Dies ermöglichte die Förderung in Kleingruppen, je nach Bildungsstand und individuellen Lernfortschritten.

Sprungbrett 4Deutschlernen und interkulturelles Lernen gingen bei „Sprungbrett“ eine enge Verbindung ein. In so genannten „Interkulturellen Trainingsmodulen“ wurde Sprachförderung, vor allem die Wortschatzarbeit, integriert in offene Lernsituationen, zum Beispiel in einer Gärtnerei, in der Stadtbibliothek, im Wasserwerk, in einer Kraftfahrzeugwerkstatt, im Neuen Museum der Stadt Nürnberg, im Klinikum Nürnberg, bei der Polizei, der Feuerwehr, bei der Besichtigung von Werkstätten des Berufsbildungswerkes oder auch beim Besuch eines Abenteuerkletterparks. Die Organisation und Begleitung dieser Unterrichtsgänge übernahmen zwei Damen ehrenamtlich in sehr engagierter Weise. Bei diesen Unternehmungen bekamen die Jugendlichen einen Einblick in die Lebensumstände und die Arbeitswelt in Deutschland, was auch bei der beruflichen Orientierung der jungen Flüchtlinge eine Hilfe sein kann.

Stärkung des Gemeinschaftsgefühls
In lockerer Atmosphäre boten gemeinsame, liebevoll gestaltete Frühstücksaktionen den Flüchtlingen die Möglichkeit, über Bräuche und Riten aus ihrer Heimat zu erzählen. Es entstand eine gegenseitige gute Vertrauensbasis. Hier konnten sie den oft belastenden Alltag vergessen. Wichtige Alltagsregeln des Exillandes und des Schulbetriebs wurden nochmals durchgesprochen. Beim anschließenden Aufräumen und Reinigen mussten alle anpacken – das ist nicht nur Sache der Frauen!

Multikulturelle und wechselnde Schülerschaft Sprungbrett 5
Seit 7. Januar 2015 besuchten insgesamt 58 junge Flüchtlinge das Sprungbrett-Projekt, davon waren 51 männlichen, 7 weiblichen Geschlechts. Sie kamen aus 16 verschiedenen Ländern.
19 SchülerInnen konnten Ende März in neu entstandene Berufsschulklassen übernommen werden. Nach den Osterferien wurde mit neuen SchülerInnen begonnen. Solange in den Klassen noch Plätze frei waren, konnten Neue aufgenommen werden. Hin und wieder brach einer auch ab.
Die Flüchtlinge kamen aus Jugendhilfeeinrichtungen in Schnaittach (8), Rummelsberg (9), Cadolzburg (2), Fürth (7) und Nürnberg (12) sowie aus Gemeinschaftsunterkünften in Eckental (2), Hersbrucker Land/Pommelsbrunn (3), Roth (1), Fürth (2) und Nürnberg (12).
Die häufigen Wechsel und Neuaufnahmen waren für die Lehrkräfte eine große Herausforderung, die sowohl vom inhaltlichen und methodischen Vorgehen wie auch vom zwischenmenschlichen Verhalten hohe Flexibilität und großes Einfühlungsvermögen erforderte. Im Verlauf des Projekts wurde immer deutlicher, dass sie nicht nur die Sprachvermittlung bewältigen, sondern auch auf die zum Teil sehr starken Stimmungsschwankungen und Gemütsverfassungen der jungen Flüchtlinge eingehen mussten. Bei allen waren die Auswirkungen ihrer traumatisierenden Erfahrungen sehr deutlich zu spüren. Eine enge Kommunikation mit den betreuenden Einrichtungen war unverzichtbar.

Dank Sprungbrett 6
Zum Schluss dieses Berichts möchte ich allen ein ganz herzliches Dankeschön sagen, die unsere Sprungbrett-Klasse unterstützten: den Spendern von Geld und Ausstattung, hier vor allem den Rotary-Clubs, den Vermietern der Unterrichtsräume im Kunstatelier und in der Christuskirche, den ehrenamtlichen Helferinnen und Unterrichtskräften. Ganz besonders aber auch möchte ich mich bei den Menschen in Betrieben und Institutionen bedanken, die unsere SchülerInnen bei den Unterrichtsgängen empfingen und sie mit Informationen versorgten.
Nicht vergessen will ich die Mitarbeitenden der Jugendhilfeeinrichtungen und Betreuenden in den Asylunterkünften, mit denen gemeinsam etliche schwierige Situationen für die Jugendlichen gemeistert werden konnten.

Nürnberg, 6. August 2015 Dagmar Gerhard (Projektleitung)