„Sprungbrett 2016“ – Schlussbericht

Im Kooperationsprojekt Sprungbrett zur Integration unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, die das Jugendamt der Stadt Nürnberg in Obhut nahm, wurden von September 2015 bis zum Ende am 31. Juli 2016 insgesamt 263 Schüler aus den Schutzstellen plus 23 Externe unterrichtet, zeitweise in neun Parallelklassen. Sie kamen aus 19 verschiedenen Ländern. 6 Lehrkräfte und 11 Assistenzkräfte waren eingesetzt. Das Bildungsniveau der Schüler – alle übrigens männlich – variierte vom Analphabeten bis hin zu Schülern mit einigen Jahren Schulbildung und z.B. Englisch-Kenntnissen.

Doch es musste nicht nur in die deutsche Sprache eingeführt werden, auch die Regeln und Normen unserer Gesellschaft mussten vermittelt werden. Besonders erschwert wurde die tägliche Arbeit durch häufige Aggressionen und Frustrationen, die die Schüler in den Unterricht mitbrachten. Sie mussten monatelang in großen Schlafräumen ohne jegliche Privatsphäre leben und kaum einer kam ausgeschlafen zum Unterricht. Unser Lehrpersonal musste viel sozialpädagogische Arbeit leisten.

Im Nachhinein fragen wir uns, wie wir das alles so gut hinbekommen haben. Denn wenn man sich heute vorstellt, dass wir über mehrere Monate pro Woche rund 120 Schüler betreuten, die auch noch sehr häufig wechselten, war dies eine immense organisatorische Leistung, was dem beispielhaft unermüdlichen Einsatz der Teamleiterin Yasmin Temizkan zu verdanken war. Mit Herzlichkeit, Empathie und Zugewandtheit konnte das gesamte Team bei den Schülern eine Vertrauensbasis herstellen, die ihnen Sicherheit und Zuversicht gab. Viele Schüler erreichten ein sehr gutes Deutsch-Niveau – neun legten sogar eine Zertifikatsprüfung A 1 ab. Aufgelockert wurde der Unterricht durch vielfältige Bastelarbeiten zur Übung der Feinmotorik und zum Kennenlernen deutscher kultureller Traditionen wie Weihnachten, Ostern usw. Bei gemeinsamen Frühstückspausen wurden Esstraditionen ausgetauscht. Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle an das Team und die Ehrenamtlichen der Christuskirche Nürnberg. Dort wurden die jungen Flüchtlinge mit offenen Armen aufgenommen und man begegnete ihnen mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen.

Ab Frühjahr 2016 gingen die Zahlen der eintreffenden Flüchtlinge rapide zurück, so dass wir ab Mai das Lehrpersonal ebenfalls reduzierten. Eine Projektfortsetzung erübrigte sich, da im Herbst 2016 kein Bedarf mehr bestand.